Montag, 20. Juli 2015

Paris ganz anders

Vier Tage habe ich Paris erobert. Vier Tage - in denen ich fast nur zu Fuß unterwegs war. Vor allem abseits der touristisch eingetretenen Pfade. Ich merke immer mehr, dass das meine Art ist, ein Land oder eine Stadt kennenzulernen, weil die Dinge, die mich faszinieren und ansprechen, sowieso jenseits von Marco Polo Reiseführern liegen.


Aber langsam, denn natürlich komme auch ich, bin ich in einer Stadt wie Paris, kaum an dem vorbei, was ja nicht umsonst Sehenswürdigkeit heißt. Davon hat Paris jede Menge zu bieten. Das wissen allerdings auch alle Touristen und dementsprechend voll sind solche Orte. Egal ob Notre Dame, der Eiffelturm, das Seine Ufer, das Marais Viertel, die Galeries Lafayette, die Katakomben und und und: Touristen über Touristen. Selfiesticks en masse. Nicht mein Ding. Trotzdem gehören sie mit auf den Reiseplan, wobei das mit dem Plan in Paris fast überflüssig ist, denn Sehenswürdigkeiten gibt es dort fast an jeder Ecke.

Trubel im Marais
Mein Mann fragte mich heute, was denn - das ist ein Running-Gag bei uns nach jeder Reise - mein schönstes Ferienerlebnis war. Mir fiel spontan eine kleine Begegnung ein, die eigentlich gar nicht Paris-spezifisch ist und doch das abbildet, was mich in den vier Tagen am meisten berührt hat: die vielen Menschen unterschiedlichster Nationalitäten. Dazu jene, die gestrauchelt sind. Die auf der Straße hausen und deren Leben gegensätzlicher zu dem großen Tam Tam, das in Paris herrscht, kaum sein könnte.
Es waren zwei Kinder, wahrscheinlich Flüchtlingskinder, die Mutter saß ein wenig abseits und bettelte, jedenfalls hatten dieser Junge und das Mädchen sich eine alte Yogamatte auf das Gitter des U-Bahn Schachtes gelegt und freuten sich unbändigt und völlig selbstvergessen über den Wind, der ihnen von unten die Haare zerzauste und die Matte immer wieder anhob. Diese kleine Szene war so berührend. Um die beiden herum hasteten die Menschen, schauten auf ihre Smartphones, blickten auf Stadtpläne. Der Verkehr brüllte, doch diese Kinder waren davon völlig unberührt. Sie waren so voller Leben, so voller Glück, so bei sich - ich hätte ihnen stundenlang zuschauen können.



Normalerweise fotografiere ich gern Landschaften oder Objekte - in Paris habe ich fast ausschließlich Menschen fotografiert. Begegnungen, so wie wir sie täglich tausendfach haben, die aber hier einen besonderen Zauber entfachten. Vielleicht liegt es daran, dass ich grundsätzlich achtsamer, aufmerksamer bin, wenn ich durch eine fremde Stadt gehe. Mir die Menschen genauer anschaue. Aber dann hätte ich dieses Gefühl ja auch in Barcelona haben können. Vielleicht, weil Paris die "Stadt der Liebe" ist? Weil man eh schon mit einem Hochgefühl anreist, mit offeneren Augen wahrnimmt? Oder ist es das Fremdländische, das sich in Paris potenziert, weil die Stadt so extrem bunt durchmischt ist? Wahrscheinlich von allem ein bisschen. Jedenfalls konnte ich mich kaum sattsehen an all der Verschiedenheit, an all den unterschiedlichen Leben.






Paris menschelt. Es stößt dich mit der Nase auf das Leben. Darauf, das die Fähigkeit Glück zu empfinden, keine Frage der Herkunft und schon gar keine Frage der Umstände ist. Darauf, dass Menschen straucheln, durchs Raster fallen, sich entleben. Darauf, dass Verschiedenheit eine Bereicherung ist. Dass wir süchtig nach Konsum, nach Erleben sind und gleichzeitig an so vielem unachtsam vorbei rennen. Darauf, dass es schön ist, innezuhalten und zu entspannen. Und darauf, dass das einzige, was wirklich zählt, die Liebe ist. Merci Paris für diese Lektion.


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Kommentare:

  1. Das ist ja ein sehr schöner Blick auf Paris jenseits der Klischees! Wunderbar, auch die Foto-Moment-Aufnahmen!

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